„Wenn sie bloß wüssten, was passiert…“

„In Bulgarien kann jedem etwas passieren“, sagte Katya Ilieva am 10. Januar in einer berühmten Fernsehshow. Ilieva hat zuvor sieben Jahre für die Behörde ГДБОП gearbeitet. Diese Behörde unterliegt dem Innenministerium und hat zum Ziel, die organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Wie sie das macht und vor allem nicht macht, das hat Ilieva mit vielen Fakten und Namen offengelegt. 

Ihrer Meinung nach versuchen Regierungs- und Geschäftskreise, systematisch „die Wahrheit zum Schweigen zu bringen“. „Wir leben nicht in einer Demokratie, sondern in einem totalitären Mafiastaat. Das Innenministerium ist seit langem ein gescheitertes System, ein politisch genutztes System. Das Innenministerium hat so viele eigene Interessen, dass wir uns fragen, ob es eine Mafiastruktur, ein Wirtschaftsunternehmen oder eine politische Struktur ist“, sagte Ilieva im Fernsehen. Sie ist skeptisch, dass das Innenministerium in der Lage sein wird, den Mord an dem Oligarchen und eng mit der Politik verbundenen Peter Hristov aufzudecken.

Katya Ilieva sagte, dass nach der Ermordung von Petar Hristov alle ihm in der Administration nahestehenden Leute nun um ihren Job bangen. Der Grund ist Folgender: „Dieser Mann war dafür verantwortlich, seine Leute an Schlüsselstellen zu platzieren. Ohne seine Zustimmung und ohne seine Kenntnis konnte keine Person auf entscheidenen Posten in Veliko Tarnovo eingestellt werden. Seine Firmen bekamen die öffentlichen Aufträge in der Stadt, er hat entschieden, wer eingestellt wird, es hat gesagt, wo was und wie gemacht werden soll.“

Weiter spricht Ilieva über die Gruppe „Kilari“ („The Killers“): „Diese Gruppe verbindet das kriminelle, das politische und das geschäftliche Element und diese Gruppe hat ausgezeichnete Kontakte zu allen politischen Parteien.“ Katja Ilieva sagt auch, dass jeder, der es gewagt hat, sich in das Verfahren gegen die Kileri einzumischen – sei es als Polizist, Staatsanwalt oder Zeuge – wurde zum „Kanonenfutter“. Ilieva fügte hinzu, dass einer der geschützten Zeugen aus dem Zeugenschutzprogramm entfernt worden sei. Die Zeugen gegen die Kilari wurden entlassen oder bedroht. „Diese Leute können jederzeit zum Opfer werden.“

Ilieva hat in der Aussage mehrere Namen und Beweise offengelegt. Ihr Resume: „Die Bulgaren vergessen sehr schnell und können viel ertragen: Wenn jemand an die Tür klopft und sagt – gib mir fünf Lewa für einen Geschäftsmann, werden sie sich aufregen. Aber genau das passiert in Bulgarien. Die Menschen werden beraubt – um Millionen. Wenn sie wüssten, was mit den öffentlichen Vergaben passiert, werden sie die Türe aufreißen und nicht nach Hause kommen – sie werden auf der Straße sein. Bis sie Gerechtigkeit erfahren.“

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