Aylyak – Yoga auf Bulgarisch

Was ist immer wieder los im Dezember? Alle arbeiten als gäbe es kein Morgen mehr. Der Glühwein wird schnell runtergespült, zwei Plätzchen auf einmal in den Mund gestopft, die Projekte hastig zu einem Disaster, also Ende, geführt. Ich gehöre zu dieser Dezember-Arbeiterklasse. Aber gut, dass ich ab und zu mal meine Therapeutin, also meine Oma, um Rat bitte. „Aylyak, aylyak“, meinte sie. Das Wort hatte ich schon vergessen. Aber mich daran zu erinnern, tat gut. Hier etwas, was ihr von den Bulgaren lernen könnt.

Aylyak ist ein türkisches Wort, das in Bulgarien eine gute Umsetzung gefunden hat. Buchstäblich übersetzt heißt es Leerlauf, aber die Bulgaren haben viel mehr daraus gemacht. Es ist Entspannung, Entschleunigung und Lässigkeit. Es ist eine Lebensart, die vor allem an der Schwarzmeerküste mit dem Wort Alltag gleichzusetzen ist. Deswegen nehmen es die Bulgaren mit dem Wort Stress auch nicht so genau. Ich praktiziere jetzt Aylyak. Oder eher Halb-Aylyak, das ist die deutsche Version.

Serbien im Oktober

Am 5. Oktober 17 Jahre später stehen die Leute in Belgrad nicht auf der Straße und verjagen einen allmächtigen Politiker, sondern sitzen rauchend in ihren Autos im Stau.

Wenn Du parken möchtest, musst Du kreativ sein. Sehr kreativ. Parken auf dem Bürgersteig ist auf der Kreativitätsskala ganz unten. Da musst Du Dir schon was besseres einfallen lassen.

Am 15. Oktober wird die Heizung angemacht – zentral. Und wenn vorher die Hühner schon im Stall gefrieren, Gesetz ist Gesetz. Das Land dreht erst am 15. den Hahn auf.

Nicht-Raucher haben keine Rechte. Absolut nicht. Nirgendwo.

Bor ist nicht am A… der Welt, sondern in Zentralserbien – zumindest laut App.

Wenn Du jemanden bittest, eine Nachricht an jemanden zu schicken, dann schreit er solange durch das Treppenhaus, bis auch der letzte die wichtige und/oder private  Nachricht gehört hat, während Du Dir noch die Ohren zuhältst.

Und wie immer: Mein Stempel von meiner letzten Kosovo Einreise wurde von dem sehr engagierten Polizeibeamten am Belgrader Flughafen überstempelt. Immerhin hat er sich viel Zeit genommen aus den vielen Balkan-Stempeln in meinem Pass den „richtigen“ zu finden. Diesmal wurde der kosovarische Stempel wenigstens nicht „annulliert“, sondern lediglich mit dem Ausreisestempel Serbiens versehen.

Erdogan kommt morgen. Mit einer Delegation von 150 Unternehmern. Überall türkische Flaggen in Belgrad. Untypisch. Money, money, money. Must be funny. In the rich men’s world.

Am Ende gewinnt doch immer die Liebe. Zumindest im Supermarkt: kroatische „Bajedere“ und „Serbia“ Schokolade nebeneinander. Eine süße Verführung? Oder doch Zwangsehe?

Bulgarien für Insider (Videoreihe)

Korruption, Mafia, Schlaglöcher, Sonnenstrand, Rakija, Kommunismus, Osten (aka the dark side): Was fällt Ihnen noch ein wenn Sie „Bulgarien“ hören? Nur Klischees? Zugegeben einige Klischees sind trister Alltag, aber Bulgarien hat viel mehr zu bieten. Ich habe dieses Jahr acht kurze Webvideos gedreht. Die Themen: Querbeet. Willkommen in Bulgarien!

Bulgarien für Insider #0

 

Bulgarien für Insider #1 „Das Denkmal“

 

Bulgarien für Insider #2 „Die Grenze“

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Eine kurze Vorschau

Nach zwei Monaten Balkan bin ich endlich wieder in Köln. Ich habe viel gearbeitet, aber auch viel Urlaub gemacht. Wer hätte gedacht, dass sich das so gut kombinieren lässt. Mein letzter Auftrag in diesem Sommer führte mich von Brashljan über Burgas und Sofia nach Skopje. Ich dachte mir, was soll’s, so weit ist das ja auch nicht. Und dann ging’s los: ein Mazda Jahrgang 98, halb Auto halb irgendetwas anderes, dann ein stinkender Bus mit einem stinkigen Fahrer, der alle verflucht hat und mit 120 quer durch die Republik fuhr, dann 5-Minuten Entspannung mit der super modernen Metro in Sofia und wieder ein stinkender Bus namens Bitolja, der aber nach Skopje fuhr, und als ich nach 17 Stunden dachte es wäre geschafft – ein Taxi mit Gefriertruhe als Klimaanlage. Was ich genau in Skopje gemacht habe, könnt ihr Anfang der Woche im DLF hören. Aber dann die Rückfahrt – Wow! Mit dem Flugzeug wohl gemerkt. Business Class – zum ersten Mal. Ein reiner Zufall und ein bisschen Glück. Es gab sogar richtige Milch im Kaffee. Was für ein Upgrade, oder wie das auch heißt.

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Was hat ein Trabi in Burgas verloren? (Sommer, 2017)

Das war ein kurzer Teaser über das, was in den kommenden Wochen folgen wird: Viele Beiträge und Eindrücke aus zwei Monaten Südosteuropa. Stay tuned, stay Balkan.

Bulgarien: Die Neuen kommen – später

Wenn Du das nicht aufisst, dann kriegst Du auch keine Gummibärchen. So oder so ähnlich verhalten sich Politiker auf dem Balkan. Sie lieben es, zu drohen. So etwa der Präsident von Kosovo letzte Woche: Wenn ich keine Unterstützung für die Gründung einer Armee kriege, geh ich. Oder der bulgarische Ministerpräsident Boyko Borissov im November letzten Jahres: Wenn ihr nicht meine Präsidenschaftskandidatin wählt, dann geh ich. Meistens kriegen sie, was sie wollen. Aber irgendwann ist das Maß voll, wie Borissov selber feststellen musste. Seine Kandidatin wurde nicht gewählt, es wurden vorgezogene Parlamentswahlen angesetzt und jetzt hat er den Salat. Und der schmeckt ihm ganz und gar nicht.

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Gefühlsausbruch

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Je öfter und je länger man auf dem Balkan ist, desto schwerer fallen einem die Abschiede. Da dieses Blog aber nicht für viele Gefühle gedacht ist, mache ich diesen auf einem Portal Luft, das eine Kollegin aus Republika Srpska vor wenigen Wochen ins Leben gerufen hat. Wenn ihr also „serbisch-kroatisch-bosnisch-montenegrinisch“ sprecht und die Gefühlsausbrüche von fünf Journalistinnen, die sonst Tag für Tag über harte Fakten berichten, ertragen könnt, klickt hierUnd meinen ersten Beitrag „TAMO GDJE ŽIVI DUŠA“ könnt ihr da auch lesen.

Die Kunst des Widerstands

Kein Widerstand, kein Prager Frühling, kein 17. Juni, kein 56er Aufstand. Bulgarien galt als der treueste Satellit der UdSSR, so ist das Land bis heute in Erinnerung geblieben. Die Liebe Sofias zu Moskau – grenzenlos. Todor Zhivkov soll mehrfach sein Land als 16. Sowjetstaat angeboten haben.

Nur Gehorsam also? In ganz Bulgarien? Nein! 

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