Der Verfall der „vierten Gewalt“

Medien, würde man meinen, sind Vermittlungsträger von Informationen und haben das primäre Ziel, über das gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Geschehen eines Landes kritisch und objektiv zu berichten. Als so genannte „vierte Gewalt“ können Medien nicht nur den öffentlichen Diskurs steuern, sondern auch als Meinungsbildner fungieren. Doch diese enorme Machtfülle gibt auch freien Spielraum für Missbrauch.

Die Medien entwickeln sich mit einem rasanten Tempo von einer Informations- zu einer Sensationsquelle. Bei der Verkündung von Nachrichten spielen oft Gefühle und Emotionen eine besonders wichtige Rolle. Die Aufmerksamkeit des Publikums soll nicht durch profunde und gut recherchierte Berichte geweckt werden sondern durch den Sensationsgrad der Nachricht, der durch grelle Bilder und eine affektive Sprache intensiviert wird. Nicht selten werden Medien als Instrumente von Politikern (Beispiel Italien) oder von Wirtschaftsgiganten (Beispiel Russland) zwecks Imageverbesserung, Wahrheitsverhüllung oder Machtmaximierung benutzt. Dafür werden die Inhalte verfälscht oder haben einen manipulativen Charakter.In letzter Zeit sind in mehreren Ländern in Europa Diskussionen über die Rolle der Medien entbrannt. In Deutschland wurde die Debatte über die Qualität des Medienprogramms von dem berühmten Publizisten und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki initiiert. In Bulgarien fand Anfang Dezember ein internationaler Kongress statt, an dem Journalisten, vorwiegend aus Südosteuropa, aber auch aus Belgien und Frankreich, über den Verlust der Glaubwürdigkeit der Medien diskutiert haben.Dieser öffentliche Diskurs zeugt nicht nur von der akuten Problematik, sondern birgt auch Hoffnung, dass es noch Gegenkräfte gibt, die dieser Verwahrlosung der Medien entgegenwirken möchten. Auch wenn sich viele Medien ihrer ursprünglichen Rolle eines „dogwatch“ entzogen und ihre soziale Verantwortung vernachlässigt haben, gibt es noch vereinzelte Journalisten, die es wagen, über organisierte Kriminalität, Korruptionsskandale und Drogenhandel zu berichten. Das Tragische dabei sind die Konsequenzen, denn meist werden die Autoren solcher Enthüllungen eingeschüchtert, bedroht und verfolgt. Wenn das nicht reicht – umgebracht.Russland ist nicht das einzige Land, dem jegliche Mittel bei der Restriktion von unabhängigen Medien nicht fremd sind. Fälle wie Politkovskaja und Litvinjenko sind auch in Europa bekannt. Die Ermordung des kroatischen Journalisten Ivo Pukanic erregte internationales Aufsehen und Verunsicherung im Inland. Auch in der Slowakei stehen einzelne Journalisten unter besonderer Beobachtung.

Zwei Prozesse verdeutlichen ganz klar den Verfall der „vierten Gewalt“

  1. Der Verlust der Seriosität der Medien, die sich immer mehr ihrer Verantwortung als objektiver Informationsvermittler entziehen und in Abhängigkeit zu anderen Quellen geraten und
  2. die massive Kontrolle gegenüber unabhängiger Berichterstattung. Fakt ist, dass die Einschränkung der Medienfreiheit zu einem Demokratieverlust mit unbekannten Folgen führen kann. Daher sollte die „vierte Gewalt“, die mehr Macht akkumuliert als die ersten drei zusammen, ihre Rolle gründlich überdenken und das so früh, wie möglich.

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