Im Gedenken an Franjo Tuđman

Es war ein kalter Freitag als gegen Mittag der Tod des ersten demokratisch gewählten kroatischen Präsidenten verkündet wurde. Eigentlich war das keine große Überraschung, denn er lag schon seit Tagen in der Klinik im Zagreber Stadtteil Dubrava. Vor genau 9 Jahren, am 10.12.1999, ist der Vater der kroatischen Unabhängigkeit im Alter von 77 Jahren gestorben. Wer war er?

Er wurde 1922 in Veliko Trgovišće geboren. Nach seinem Abschluss der Oberschule 1941 trat er der antifaschistischen Partisanenbewegung bei. Anfang der 60er entschied er sich für eine akademische Laufbahn und widmete sich seiner Leidenschaft, der Geschichte. In der Zeit schrieb er seine ersten Bücher, die kontroverse Kritik im In- und Ausland hervorriefen. Als er sich dann unter anderem offen für die Teilung Bosniens aussprach, wurde er von der Kommunistischen Partei suspendiert und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

1989 gründete er die Kroatische Demokratische Union (Hrvatska Demokratska Zajednica – HDZ), die bei den ersten demokratischen Wahlen als stärkste politische Kraft hervorging und bis 2000 die Regierung in Zagreb bildete. Tuđman wurde zum ersten Präsidenten des unabhängigen Kroatiens gewählt und behielt diesen Posten bis zu seinem Tode.

Der Führungsstil Franjo Tuđmans war allerdings schon zu seinen Lebzeiten Gegenstand vieler Diskussionen. Zwar sprach er sich für Demokratie und freie Marktwirtschaft aus, in der Praxis jedoch zeichnete er sich durch einen autokratischen politischen Stil aus. Er sicherte sich Einfluss in allen gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Bereichen des Landes. Dabei erlaubte er sich „unangenehme“ Politiker aus der eigenen Partei auszuschließen, ernannte Minister und beherrschte die Medien, indem er seine Proteges auf führende Positionen setzte. Doch das war ihm nicht genug: er kontrollierte die Privatisierung staatlicher Firmen, was zu Korruptionsskandalen und Vernachlässigung der kroatischen Wirtschaft führte. Vor allem sein nationalistischer Denkstil wurde kritisiert. Durch seine unnachgiebige Politik isolierte er sein Land in internationalen Kreisen. Erst nach seinem Tod konnte Kroatien mit langsamen Schritten wieder den Weg der regionalen Integration und inneren Konsolidierung finden.

Heute findet in der Kirche „Sveti Marko“ in Zagreb eine Messe in Gedenken des ersten kroatischen Präsidenten statt.

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