Tito und ich im Flugzeug

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Erst erzähl ich Euch die alte Geschichte und dann die neue – und dann was sie miteinander zu tun haben. Also es war Sommer 2008. Ich sollte im Rahmen einer EU-Veranstaltung nach Belgrad fliegen. Pure Freude! Die dauerte allerdings nur bis zum Flughafen in Wien. Wieso? Weil ich ein Flug-Schisser bin und mit dem serbischen schwarzen Humor nicht klar komme.

Wir mussten mit JAT Airways fliegen, also mit dem „Jugoslovenski Aerotransport“. Das Flugzeug – ein Relikt aus den glorreichen jugoslawischen Zeiten. Eine Propeller-Maschine, so klein, dass es nur Platz für 2 + 1 Personen pro Reihe gab. Der Einstieg in die Maschine: Ein Wippen, rechtes Bein hoch und schon ist man im Innenraum des Flugzeugs. Versteht Ihr? Keine Treppe, keine Stufen, nein! Die Maschine lag quasi auf dem Boden. Dann zeigte sich die ganze Pracht der serbischen „Aerotransport“-Industrie – Sitzbezug aus genähtem, weichem, orangefarbenem Stoff, der leicht muffig roch. Ich hab mich hingesetzt – und vergebens nach einem Gurt gesucht. Ich wechselte den Platz, da hatte ich mehr Glück.

Wir waren 5 oder 6 Passagiere, außer mir – alle Serben, die nahmen das Ganze mit Galgenhumor. Einer wollte seinen Sitz ein Stückchen nach hinten neigen, er lag nach ein paar Drehungen an einer lockeren Schraube horizontal. Ein anderer wollte vom Bordpersonal wissen, ob nicht auch Tito in dem Flugzeug geflogen sei, es sei ja sicherlich aus seiner Zeit. „Ja, könnte sein, ach ganz bestimmt“, war die Antwort. Alle haben sich ein bisschen stolz gefühlt, nur mir drehte sich der Magen – schon vor Abflug. Und die ganze Zeit hatte ich mir Tito neben mir sitzend vorgestellt.

Ok, dann sind wir gestartet. Ganz ehrlich: Der Flug war so ruhig und entspannt, die Propeller habe ich kaum gehört. Dann kam das Essen – serviert von zwei Flugbegleitern, einem älteren Herrn mit grau-weißen Rest-Haaren und einer etwas korpulenten Dame um die 50 mit einer blau-weiß-gestreiften Schürze. Das Drei-Gänge-Menü!!! war wirklich lecker. Und das wussten anscheinend die Piloten auch, denn einer machte die Tür auf und stand auf einmal im schmalen Gang. Ich hab mir fast in die Hose gemacht, weil ich mir zu dem Zeitpunkt nicht ganz sicher war, ob noch ein Pilot im Cockpit sitzt. Naja, wer weiß. Der große, schlanke, doch sehr gut aussehende Pilot 🙂 forderte die Flugbegleiter auf, ihnen flott das Essen zu bringen, sie seien hungrig und wollten noch vor Landung was im Magen haben. Ok, hab ich mir gesagt, das ist eben die offene, lebensfrohe aber auch risikofreudige Lebenseinstellung der Serben. Na jedenfalls, ich war froh als wir in Belgrad gelandet waren.

Und die neue Geschichte: Winter 2013. Buchst du oder buchst du nicht? Ich wollte nach Belgrad, aber das günstigste und praktischste Angebot war wieder JAT Airways. Ich habe ein paar Tage überlegt – und dann doch gebucht. Ich bin also jetzt wieder in Belgrad – sicher gelandet. Der Taxifahrer am Flughafen hat mich höflich gefragt, wie mein Flug gewesen sei. Ich meinte, ganz ok, normal eben, aber so gerne würde ich nicht mit JAT fliegen. Daraufhin er: „Keiner hier fliegt gerne mit JAT“. Ok, habe ich mir gedacht – gut, dass du ab Belgrad mit dem Bus nach Zagreb fährst und ab da mit Germanwings nach Deutschland zurück.

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