Wenn Du etwas über die Menschen in Prishtina erfahren möchtest, dann fahre einfach ein paar mal mit dem Taxi um die Stadt (kostet echt nicht viel). Immer mit einem anderen Taxi natürlich. Am Ende erfährt man mehr als bei jedem Gespräch mit einem Politiker oder NGO-Vertreter.
Archiv des Autors: Rayna Breuer
„Brutaler Sarkasmus gegen eine brutale Politik“
Ganze Medienimperien haben sich einflussreiche Wirtschaftsbosse auf dem Balkan
aufgebaut – sie steuern die Meinung im Land, untergraben die Pressefreiheit,
kontrollieren den Geist. Wenige Journalisten trauen sich, gegen diese gelenkte
Medienlandschaft das Wort zu erheben. Und wer es dennoch wagt, setzt einiges
aufs Spiel – nicht zuletzt sein eigenes Leben. Ich durfte in Belgrad eine
dieser seltenen Spezies Journalisten treffen, die diesen schwierigen Weg
gewählt hat. Sein Name – Tomislav Markovic.
Die Stempel-Sammlerin
Ach, mein geliebter Balkan, wie sehr ich dich verachte. Wegen dir musste ich viele sinnlose Stunden in schmutzigen Bussen verbringen, dort in der heißen und stickigen Luft baden, an Grenzkontrollen warten und den schlechten Musikgeschmack der Busfahrer ertragen. Wieso?
Kosovo under construction
Dass sich Kosovo, das gerade mal vor 4 Jahren seine Unabhängigkeit erklärt hat, im Aufbau befindet, das wusste ich schon. Vor allem politisch, dachte ich. Falsch. Politisch passiert hier rein gar nichts, bzw. nichts Sinnvolles. Aber dafür werden in ganz Prishtina Straßen gebaut, öffentliche Plätze erweitert, neue Wohnkomplexe errichtet, alte renoviert, kanalisiert etc. Ich habe darüber am Tag nach meiner Ankunft getwittert
und Fotos versprochen – aber ich denke, das spricht „lauter“ für sich:
Stiller Abschied von Serbien
Gracanica – nur 10 Kilometer von Pristhina entfernt. Dorthin sind viele Serben
nach dem Kosovo Krieg umgezogen, die früher in Prishtina gelebt haben. Die
Stadt platzt aus allen Nähten. Eine einzige Hauptstraße führt durch die kleine
Stadt, es gibt Staus zu jeder Uhrzeit. Der Markt musste der Enge weichen und
hat sich direkt an der Seite der Hauptstraße breit gemacht. Für Tische gibt es
keinen Platz, alles liegt in Säcken auf dem Boden. Ein Besuch in Gracanica.
Generation Aufbau
Ich hatte ein Treffen mit Djordje in Ost-Sarajevo, ich nahm den Trolleybus Nummer 103 und stieg an der letzten Haltestelle aus. Ab da fängt Ost-Sarajevo an – aber die Trolleybusse fahren nicht in den Ost-Teil der Stadt. Es gibt zwar keine sichtbaren Trennlinien, aber nach Kriegsende wurde die bosnische Hauptstadt geteilt – in Sarajevo und Ost-Sarajevo.
Bulgarien in Bildern
Dieser Sommerurlaub war kurz und ist nicht ganz nach Plan verlaufen. Dennoch konnte ich einige Momente mit meiner Kamera einfangen. Die ersten drei Bilder wurden in meiner Heimatstadt Burgas gemacht. Danach seht ihr Eindrücke aus Brashljian, dem Dorf, in dem meine Großeltern leben. Kurz vor Abflug konnte ich dann noch ein paar Bilder im Zentrum von Sofia schiessen.
Warten auf das Abendessen
Sarajevo in Bildern
Ich war diesen Sommer ganze zwei Mal in Bosnien und Herzegowina: Beim ersten Mal hab ich die Kamera in Deutschland vergessen, beim zweiten Mal wollte die Speicherkarte nicht. Ich konnte also nur eine begrenzte Zahl an Bildern machen. Der Frust dauerte zwei Tage! Danach hab ich mich zusammengerissen 🙂 Hier einige Fotos aus Sarajevo.
Sarajevo, mon amour
Meine Zeitungs-Premiere
Ich war in der zwölfen Klasse, besuchte eine durchschnittliche Schule in Sofia und langweilte mich. Ich hatte mich zwar für ein Dutzend Kurse nebenher angemeldet – Englisch, Russisch, Mathematik-Unterricht, Geschichts-Kurs bla bla bla, aber irgendwie war mein Kreativitätstank leer zu jener Zeit. Bis die Amerikaner in mein Leben kamen!
Die Sprache – eine soziale Zeitbombe?
Kruh, kruh, kruh (Brot auf Kroatisch) – bloß nicht hleb (Brot auf Serbisch)
sagen, sonst wurde man ganz böse angeschaut in der Bäckerei. Früher war das
egal, wo du welches Wort für „Brot“ benutzt. Klar, man konnte direkt erkennen,
woher du aus Jugoslawien kommst, aber das weckte mehr Neugierde als Abneigung.
Anders Ende der 90er. Da wurde die Sprache zum wichtigen Identifikationsmerkmal.
Als ich in Zagreb gelebt habe, war es schwierig für mich, diese feinen
Unterscheide zwischen Serbisch und Kroatisch zu verstehen, sie mir in den Kopf
zu brennen. Manchmal konnte dich ein einfaches „j“ oder „ij“ im Wort
disqualifizieren. („breg“ sagen die Serben, „brijeg“ die Kroaten, „lijepo“ auf
Kroatisch, „lepo“ auf Serbisch). In der Schule, beim Arzt, beim Einkaufen, im
Gespräch mit den Nachbarn, man musste immer hellwach sein, wenn man sprach. Die
Erinnerungen an den Krieg waren noch sehr frisch, die Gemeinsamkeiten mit
Serbien sollten ausgelöscht werden. Und so mussten wir uns in der Schule
(und im Fernsehen) anhören, welche neuen Wörter den kroatischen Wortschatz von
heute auf morgen bereichert haben. Zrakoplov (Helikoper), brzojav (Telegramm) –
jede Woche kamen neue Wörter hinzu. Die Sprache war nach dem Krieg das stärkste Instrument, seine Identität neu zu definieren, neu zu erfinden.
Die Rolle der Sprache wurde nicht nur in Kroatien stark diskutiert. Auch in
Bosnien und Herzegowina wurde die Sprache als Symbol für eine
Volkszugehörigkeit instrumentalisiert. In Sarajevo habe ich viele Menschen
getroffen und mit ihnen über Sprache und ihre Kraft, Gesellschaften zu
spalten, gesprochen. Hier was ich dabei gelernt habe.



