„Er wollte einfach nicht unterschreiben, weil auf der Rückseite das Wappen Bosnien und Herzegowinas (BiH) abgedruckt war“, erzählt mir S. Und zündet die nächste Zigarette an. Eine nach der anderen. Bald sind lokale Wahlen in BiH. Er ist vor ein paar Monaten der multiethnischen Partei „Nasa Stranka“ beigetreten. Um diese in seiner Stadt registrieren zu dürfen, musste er Unterschriften sammeln. Daran ist er gescheitert. In seiner Stadt, Doboj, in Republika Srpska, leben überwiegend Serben, die sich Belgrad viel näher fühlen, als Sarajevo. Platz für eine multiethnische Partei gibt es nicht.
Archiv des Autors: Rayna Breuer
Klein-Balkan im 20. Wiener-Bezirk
Urlaub. Nur sechs Tage – aber immerhin, besser als gar nichts. Ich habe meine Eltern in Wien besucht, vor einiger Zeit sind sie umgezogen – vom Naschmarkt (Zentrum) in den entfernten 20. Bezirk. Eigentlich keine schlechte Gegend. Die Donau ist um die Ecke, mit einer schönen Uferpromenade. Gegenüber der Wohnung gibt es zwei große Spielplätze – für meinen 15-Monate alten Sohn der Himmel auf Erden. Also packten wir am nächsten Morgen Schaufel und Fußball und fuhren mit dem neuen Dreirad zum Spielen. Ich war grad von meiner Bosnienreise zurückgekehrt, aber so richtig sicher war ich mir dann doch nicht. Denn die Amtssprache auf dem Spielplatz war Balkanesisch. Ich weiß schon, dass viele aus dem ehemaligen Jugoslawien in Wien leben, aber ich wusste nicht, dass die Österreicher vom Aussterben bedroht sind. Zumindest im 20. Bezirk.
Serbien vor der Wahl
Was für ein Wahlmarathon – die Serben müssen bald ein Parlament, einen Präsidenten und lokale Politiker wählen. Viele Wahlzettel wurden schon gedruckt. So viele, dass sogar vier Serben vergangene Woche illegal Wahlzettel nach Kosovo transportiert haben. Die Wahlhelfer wurden gefasst, aber die Debatte, ob Serbien auch im Norden Kosovos Wahlen veranstalten darf, ist damit nur noch mehr angefacht worden.
In Memoriam
Das mich vorantreibende Motto lautet, gebe nie auf. Wenn du zu überholen anfängst, gib Gas. Mache das, was du für richtig hältst, und nicht das, was von der Mehrheit unterstützt wird.
Zoran Djindjic, Vecernje novosti (30.12.2001) –http://www.zorandjindjic.org/citati
Zoran Djindjic ist seinem Motto treu geblieben – bis zum Schluss wollte er sein Land und seine Visionen nicht aufgeben. Doch noch war sein Serbien nicht reif für ihn und seine Ideen. Djindjic war am richtigen Ort aber zur falschen Zeit.
Als Ministerpräsident Serbiens führte er sein Land von 2001 bis 2003. Er war der Reformer, der Anführer des Umbruchs, er brachte Serbien näher an Europa. Dank ihm begriff die Welt, dass in Serbien nicht nur Nationalisten leben. Er lieferte Milosevic an das Tribunal in Den Haag aus und erntete den Applaus des Westens. Zuhause dagegen – Schüsse. Am 12.03.2003 wurde er durch Scharfschützen ermordet. Die Täter wurden gefasst und zu langen Haftstrafen verurteilt. Doch die Hintergründe des Mordes sind noch immer nicht aufarbeitet worden.
Am vergangenen Samstag (10.03.2012) gedachten in Belgrad etwa 20.000 Menschen des getöteten Ministerpräsidenten.
Sie wollten ihn nicht …
Am 9. März 1991 fanden in Belgrad die ersten großen Demonstrationen gegen Milosevic statt – der Beginn des langen Demokratisierungsprozesses, denn erst fast 10 Jahre später konnte Milosevic gestürzt werden.
Hier ein Videoausschnitt:
Deutschland, deine Migranten
Integrationskurse, Integrationsbeauftragte, Integrationsgipfel: Es ist wieder mal soweit. Maria Böhmer hat ins Kanzleramt eingeladen und es wird schon zum fünften Mal in Folge über die Zauberformel der Integration in Deutschland gesprochen. Oder wie die Menschen hier besser miteinander leben können. Denn das ist eigentlich für mich Integration. Aber je mehr wir diskutieren, desto mehr desintegrieren wir uns, denn es geht einfach nicht voran in dieser Debatte.
Само мармаладът в кифлата е същият
Burgas – eine unspektakuläre Stadt mit einem hässlichen Hafen und kaputten
Straßen, aber es ist meine Heimat, mein Geburtsort, meine Seele. Ich habe nicht
lange dort gelebt, nur in meinem ersten Lebensjahr und dann in den
Sommerferien. Aber es sind die Gerüche, die Klänge, die Bilder, die mich immer
wieder in Gedanken zurück zu dieser Stadt führen. Das ist eine Homage an
Burgas. Der Text ist auf Bulgarisch. Vieles lässt sich schwer übersetzen, und
außerdem hatte ich das Bedürfnis, es auf Bulgarisch zu schreiben.
Burgas in Bildern
Hier möchte ich euch Eindrücke vom Balkan durch meine Linse zeigen. Den Anfang macht Burgas, meine Heimatstadt:
Bei Genscher zuhause
Ein großes Jubiläum nahte: Es war der 20. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärungen Kroatiens und Sloweniens. Am 25. Juni feiern die Kroaten ihren Staatsfeiertag. An vielen Häusern wird die kroatische Fahne gehisst, man wird patriotischer als sonst. Zumindest habe ich das so empfunden, als ich einige Jahre in Zagreb gelebt habe. Ich habe es also als meine Pflicht gesehen, etwas Großes aus dem Jubiläum zu machen: einen Artikel zu schreiben, ein Interview zu führen, einen … Genscher! Und so war die Idee geboren. Ich wollte unseren ehemaligen Außenminister treffen und mit ihm über dieses Jubiläum sprechen.
Bloß den Workshop nicht verpassen
Misha Glenny gehört zu jener Sorte Journalisten, die ich total bewundere: Sie sprechen mehrere Sprachen (er u.a. Serbisch), sind sehr bodenständig und nicht hochnäsig (wie einige in unserer Branche, die eigentlich keinen Grund dafür haben), sie wissen, was sie erzählen und schreiben und lassen sich auf ein Gespräch mit Volontären wie mir ein.
