Tito und ich im Flugzeug

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Erst erzähl ich Euch die alte Geschichte und dann die neue – und dann was sie miteinander zu tun haben. Also es war Sommer 2008. Ich sollte im Rahmen einer EU-Veranstaltung nach Belgrad fliegen. Pure Freude! Die dauerte allerdings nur bis zum Flughafen in Wien. Wieso? Weil ich ein Flug-Schisser bin und mit dem serbischen schwarzen Humor nicht klar komme.

Wir mussten mit JAT Airways fliegen, also mit dem „Jugoslovenski Aerotransport“. Das Flugzeug – ein Relikt aus den glorreichen jugoslawischen Zeiten. Eine Propeller-Maschine, so klein, dass es nur Platz für 2 + 1 Personen pro Reihe gab. Der Einstieg in die Maschine: Ein Wippen, rechtes Bein hoch und schon ist man im Innenraum des Flugzeugs. Versteht Ihr? Keine Treppe, keine Stufen, nein! Die Maschine lag quasi auf dem Boden. Dann zeigte sich die ganze Pracht der serbischen „Aerotransport“-Industrie – Sitzbezug aus genähtem, weichem, orangefarbenem Stoff, der leicht muffig roch. Ich hab mich hingesetzt – und vergebens nach einem Gurt gesucht. Ich wechselte den Platz, da hatte ich mehr Glück.

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Die Vision von einem besseren Serbien

Photo by Denis Sarkic © All Rights Reserved

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Er hatte sie, doch er nahm sie mit in den Tod. Zehn Jahre nach der Ermordung von Zoran Djindjic ist die Zeit in Serbien stehen geblieben. Ok, es hat sich am äußeren Antlitz des Landes, vor allem der Hauptstadt, viel getan, das gebe ich zu, doch: Wer regiert jetzt? – die Nationalisten. Wo steht Serbien? – immer noch am Rande der EU. Was versprechen die Politiker? – dass sie Kosovo niemals anerkennen werden. War das jetzt ein verlorenes Jahrzehnt?

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„Brutaler Sarkasmus gegen eine brutale Politik“

Ganze Medienimperien haben sich einflussreiche Wirtschaftsbosse auf dem Balkan
aufgebaut – sie steuern die Meinung im Land, untergraben die Pressefreiheit,
kontrollieren den Geist. Wenige Journalisten trauen sich, gegen diese gelenkte
Medienlandschaft das Wort zu erheben. Und wer es dennoch wagt, setzt einiges
aufs Spiel – nicht zuletzt sein eigenes Leben. Ich durfte in Belgrad eine
dieser seltenen Spezies Journalisten treffen, die diesen schwierigen Weg
gewählt hat. Sein Name – Tomislav Markovic.

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Die Stempel-Sammlerin

Ach, mein geliebter Balkan, wie sehr ich dich verachte. Wegen dir musste ich viele sinnlose Stunden in schmutzigen Bussen verbringen, dort in der heißen und stickigen Luft baden, an Grenzkontrollen warten und den schlechten Musikgeschmack der Busfahrer ertragen. Wieso?

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Stiller Abschied von Serbien

Gracanica – nur 10 Kilometer von Pristhina entfernt. Dorthin sind viele Serben
nach dem Kosovo Krieg umgezogen, die früher in Prishtina gelebt haben. Die
Stadt platzt aus allen Nähten. Eine einzige Hauptstraße führt durch die kleine
Stadt, es gibt Staus zu jeder Uhrzeit. Der Markt musste der Enge weichen und
hat sich direkt an der Seite der Hauptstraße breit gemacht. Für Tische gibt es
keinen Platz, alles liegt in Säcken auf dem Boden. Ein Besuch in Gracanica.

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Serbien vor der Wahl

Was für ein Wahlmarathon – die Serben müssen bald ein Parlament, einen Präsidenten und lokale Politiker wählen. Viele Wahlzettel wurden schon gedruckt. So viele, dass sogar vier Serben vergangene Woche illegal Wahlzettel nach Kosovo transportiert haben. Die Wahlhelfer wurden gefasst, aber die Debatte, ob Serbien auch im Norden Kosovos Wahlen veranstalten darf, ist damit nur noch mehr angefacht worden.

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In Memoriam

Das mich vorantreibende Motto lautet, gebe nie auf. Wenn du zu überholen anfängst, gib Gas. Mache das, was du für richtig hältst, und nicht das, was von der Mehrheit unterstützt wird.

Zoran Djindjic, Vecernje novosti (30.12.2001) –http://www.zorandjindjic.org/citati

 

Zoran Djindjic ist seinem Motto treu geblieben – bis zum Schluss wollte er sein Land und seine Visionen nicht aufgeben. Doch noch war sein Serbien nicht reif für ihn und seine Ideen. Djindjic war am richtigen Ort aber zur falschen Zeit.

Als Ministerpräsident Serbiens führte er sein Land von 2001 bis 2003. Er war der Reformer, der Anführer des Umbruchs, er brachte Serbien näher an Europa. Dank ihm begriff die Welt, dass in Serbien nicht nur Nationalisten leben. Er lieferte Milosevic an das Tribunal in Den Haag aus und erntete den Applaus des Westens. Zuhause dagegen – Schüsse. Am 12.03.2003 wurde er durch Scharfschützen ermordet. Die Täter wurden gefasst und zu langen Haftstrafen verurteilt. Doch die Hintergründe des Mordes sind noch immer nicht aufarbeitet worden.

Am vergangenen Samstag (10.03.2012) gedachten in Belgrad etwa 20.000 Menschen des getöteten Ministerpräsidenten.

Bei Genscher zuhause

Ein großes Jubiläum nahte: Es war der 20. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärungen Kroatiens und Sloweniens. Am 25. Juni feiern die Kroaten ihren Staatsfeiertag. An vielen Häusern wird die kroatische Fahne gehisst, man wird patriotischer als sonst. Zumindest habe ich das so empfunden, als ich einige Jahre in Zagreb gelebt habe. Ich habe es also als meine Pflicht gesehen, etwas Großes aus dem Jubiläum zu machen: einen Artikel zu schreiben, ein Interview zu führen, einen … Genscher! Und so war die Idee geboren. Ich wollte unseren ehemaligen Außenminister treffen und mit ihm über dieses Jubiläum sprechen.

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Bloß den Workshop nicht verpassen

Misha Glenny gehört zu jener Sorte Journalisten, die ich total bewundere: Sie sprechen mehrere Sprachen (er u.a. Serbisch), sind sehr bodenständig und nicht hochnäsig (wie einige in unserer Branche, die eigentlich keinen Grund dafür haben), sie wissen, was sie erzählen und schreiben und lassen sich auf ein Gespräch mit Volontären wie mir ein.

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